Sonnenuntergang in Porto Alegre

Sonnenuntergang in Porto Alegre

Donnerstag, 21. April 2011

"Em fevereiro tem carnaval" - Brasilien helau!!

Der Karnaval liegt zwar schon ein paar Donnerstage zurück, aber da es sich ja um das Highlight unter den brasilianischen Feiertagen handelt, muss wenigstens noch ein stichwortartiger Blogeintrag her, um ein paar Karnevalsimpressionen in die ferne Heimat zu verschicken.
Am Karnevalswochenende habe ich:
- spontan mit meiner besten Austausch-Freundin Sara den Nachtbus nach Florianopolis genommen(mit einer Entfernung von 6 Stunden ein Katzensprung für brasilianische Verhältnisse)
- in einem nur mässig vertrauenenserweckenden 16-Bett-Zimmer im Backpackerhostel geschlafen
- mich den ganzen Tag am Strand in der Sonne knusprig toasten und in den Wellen des Atlantiks treiben lassen
- den brasilianischen Strassenkarneval kennengelernt, bei dem sich alle Männer als Frauen verkleidet haben
- ein Konzert von Armin van Buuren erlebt und bis morgens um 6 barfuss unter dem Sternenhimmel getanzt
- ein Fischerboot zu einer paradiesischen Insel genommen und auf dem Rückweg einen akuten Anflug von Panik und Seekrankheit überstanden
- den Umzug der Sambaschulen im Sambódromo gesehen (völlig umsonst!)
- auf dem Rückweg 6 Stunden platschnass im durch die Klimaanlage auf 12 Grad runtergekühlten Bus gefroren

Den Karneval auch nur annähernd zu beschreiben, fehlen mir buchstäblich die Worte, aber die Fotos geben vielleicht einen Eindruck:

Sonntag, 27. März 2011

Das Leben der Anderen

Jeden Abend, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, fühle ich mich, als würde ich eine fremde Welt betreten. Auf dem Weg von der Bushaltestelle zu meinem Zuhause komme ich an einer “Creche” vorbei, einer Kindertagestätte. Diese Kinderstagesstätte hat ein ganz anderes Klientel als das Cesmar: Die Sprösslinge reicher Vorstadtfamilien, die dort gelassen werden, während ihre Eltern arbeiten. Der Kontrast zwischen der Creche und dem Cesmar ist enorm. Die Kinder in der Creche sind sauber und ordentlich angezogen, haben von ihren Müttern geflochtene Zöpfe oder ordentlich gescheitelte Haare, ihre Fingernägel sind geschnitten. Wenn sie in der Creche spielen, hört man fast nur lachen und fröhliches Gequieke, manchmal ein Weinen, wenn jemand von der Schaukel gefallen ist. Konfliktsituationen gibt es kaum, Streit um ein Spielzeug wird schnell beigelegt und nur selten sehe ich, dass die Betreuerinnen eingreifen müssen, um eine Situation zu entschärfen.

Das ist das Leben der anderen. Das Leben der Kinder, die 10 Busminuten weiter südlich geboren wurden, die in intakten Familien, in geordneteten Verhältnissen leben.

Wenn ich die Kinder der Creche sehe, reflektiere ich häufig meinen Tag im Cesmar. Ich denke an die zerrissenen Hosen und die durchlöcherten Projekt-T-Shirts, die die Kinder dort tragen, an die zerzausten, verlausten Haare, die wild in alle Richtungen abstehen und lange Zeit weder Wasser noch Bürste gesehen haben, an die dreckigen Hände, die fauligen Zähne, die mageren Ärmchen und die von Würmbefall aufgeblasenen Bäuche. Ich denke an das Geschreie und Gekeife, an die städigen Konflikten, an den Streit, der an jeder Ecke zu eskalieren droht und die ich constant eingreifen muss, um Situationen zu klären. Es scheint unglaublich zu sein, dass diese beiden Welten, die so nah beieinander liegen, sich nicht kennen. Manchmal frage ich mich: Wie kommt es, dass die Kinder im Cesmar so sind, wie sie sind? Die Tatsache, dass sie arm sind, bedeutet doch nicht, dass sie verhaltensauffällig und agressiv sein müssen?

Ich habe angefangen, mich im Internet zu informieren, auf Seiten über Erziehung, über Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Entwicklung. Je mehr ich mich über diese Themen informiere, desto mehr erkenne ich, warum die Kinder des Cesmars so anders sind.

Die zerstörte, disfunkionale Umgebung der Kinder prägt sie auf diese Weise. Das Fehlen von intakten Familien, das Fehlen von Zuneigung und Nestwärme, von positive Kontakt und Mutterliebe macht die Kinder zu emotional verkümmerten, entwicklungsverzögerten Personen, die nicht in der Lage sind, sich in Gruppen einzufügen und soziale Kontakte zu anderen aufzubauen. Die Kinder Rubem Bertas sind regelrechte “Wolfskinder”, verwahrlost und vernachläsigkt, vollkommen auf sich allein gestellt.

“Was ein kleines Kind am nötigsten braucht, ist die intensive und dauerhafte Gefühlsbindung zur Mutter. Wird dieser Kontakt unterbrochen und erhält das Kind keine Ersatzperson, zu der es ähnliche Beziehungen aufnhemen kann, so stellen sich seelischen Schädigungen ein.” (Quelle: “Kinder ohne Liebe”, Josef Langmeier und Zdenek Matejcek)

“Ohne eine Schablone, eine Prägeform, fehlt den Opfern gestörter Mitmenschlicher Beziehungen später selbst die Fähigkeit, Beziehungen herzustellen. Sie sind nicht ausgerüstet für die fortgeschrittenen, komplizierten Formen des persöhnlichen und gesellschaftlichen Austauschs, ohne den wir als Art nicht fäig wären, weiter zu existieren. Sie können sich nicht an die Gesellschaft anpassen. Sie sind emotionale Krüppel… Ihre Fähigkeit zu normalen menschlichen und sozialen Beziehungen ist gestört, sie haben niemals Gelegenheit gehabt, gefühlsmässig liebevolle Beziehungen zu erleben und eine vertrauenenspendene erste Liebesbeziehung zu erleben. Das Elend dieser Kinder wird in die Trostlosikgeit der sozialen Beziehungen des Herawachsenden umsetzen. Da ihnen die gefühlsmässige Zuwendung vorenthalten wurde, auf die sie Anspruch hatten, ist ihr einziges Hilsmittel die Gewalt. .. Das Kind wurde um die Liebe betrogen, dem Erwachsenen bleibt nur der Hass” (Quelle: René Spitz)

“Unter Hospitalismus (ursächlich auch Deprivationssyndrom genannt) versteht man alle negativen körperlichen und psychischen Begleitfolgen eines längeren Krankenhaus- oder Heimaufenthalts oder einer Inhaftierung. Dies beinhaltet auch mangelnde Umsorgung und lieblose Behandlung von Säuglingen und Kindern(…) Der Ausdruck Deprivationssyndrom stammt vom Begriff Deprivation, lateinisch deprivare - berauben in Bezug auf Reize und Zuwendung.

Hospitalismus kommt überall dort vor, wo Menschen zu wenig (Vernachlässigung) oder negative (Ablehnung) emotionale Beziehungen (Bindungsstörung) erhalten. (…)Es ist auch in Familien anzutreffen, in denen die Eltern mit der Pflege der Kinder überfordert sind oder diese aus irgendwelchen Gründen ablehnen und sie deshalb schwerer physischer und psychischer Vernachlässigung oder Misshandlung ausgesetzt sind (…) Bekannt sind die Forschungen von René Spitz zur Entwicklung der Beziehung zwischen Mutter und Kind im ersten Lebensjahr. Untersuchungen der gestörten Mutterbeziehungen des Säuglings bei widersprüchlichem Mutterverhalten: Aktive und passive Ablehnung des Kindes, Überfürsorglichkeit, abwechselnde Feindseligkeit und Verwöhnung, mit Freundlichkeit verdeckte Ablehnung. Solche Bedrohungen der Beziehung führen je nach Art der gestörten Objektbeziehung zu verschiedenen schweren psychischen und psychosomatischen Störungen beim Kind.

Mit dem psychischen Hospitalismus verwandt ist die Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen; sie werden sich selbst überlassen.

Je nach individueller Situation des von Vernachlässigung Betroffenen kommen nicht alle Symptome vor oder sind je nach Ursache eher körperlicher oder eher seelischer Natur. Folgende Symptome aufgrund von Vernachlässigung können auftreten:

Die Folgen von psychischen Hospitalismus (Deprivation) sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen können jedoch gravierender und langfristiger sein (...) Mögliche Folgen sind psycho-affektive Störungen, also Verzögerungen und Veränderungen im Antrieb, in der Wahrnehmung und im Fühlen und Denken sowie emotionale Stumpfheit. Die Kinder können retardieren und/oder entwickeln später möglicherweise eine Bindungsstörung, eine Borderline-Persönlichkeitsstörung oder eine Anpassungsstörung . (Quelle: Wikipedia)

Die Verhaltensauffälligeiten, die Agressivität, die Unterentwicklungen, die Zurückgebliebenheit und all die anderen Symptome, die die Kinder des Cesmars “anders” machen, lassen sich also erklären. Der Grund dafür ist nicht die exestentielle Armut dieser Kinder, sondern die Verwahrlosung und Vernachlässigung, die sie zuhause erfahren. Da diese Vernachlässigung der Eltern aber jedoch wieder auf die soziale Notlage zurückzuführe ist, die die zumeist jungen Mütter und Väter überfordert und in die Alkohol- oder Drogensucht treibt, bildet sich der furchtbare, scheinbar undurchbrechbare Teufelskreis der Favela.

Aus den sozial gestörten Kindern werden vermutlich wieder sozial gestörte Eltern, die ihre Kinder auf genau die selbe Weise behandeln. Das Cesmar versucht, diesen Kreislauf aufzuhalten, diese Prozesse zu durchbrechen. Im Cesmar erfahren die Kinder Liebe, sie werden gefördert und ihre Entwicklung wird stimuliert und man sieht tatsächlich überraschende Erfolge.

Wenn ich abends an der Creche vorbeigehe, denke ich an “die anderen” Kinder des Cesmars, die genauso fröhlich spielen könnten – wenn sich jemand um sie kümmern würde. Aber leider interessieren sich viel zu wenig Menschen auf der Welt für das, was sie nicht direkt betrifft. Was nicht direkt vor der eigenen Haustür passiert, passiert eben nur “den anderen”.

Warum sich darum kümmern?

Donnerstag, 17. Februar 2011

36 Grad und es wird noch heisser...

Manchmal erscheint mit der Gedanke unglaublich, dass ich jetzt schon seit 6 Monaten in Porto Alegre lebe. Und doch: vieles hat sich geändert.
Weder die verwirrenden Buslinien noch das Portugiesisch stellen inzwischen mehr ein Problem dar, der Stadtplan verstaubt schon lange unbenutzt in Regal und wenn ich durch die Strassen im Zentrum laufe, fühle ich mich nicht mehr wie ein Tourist.
Eins hat sich aber ganz besonders geändert: das Wetter. Bei meiner Ankunft schockte mich die nicht erwartete Kälte, die gut und gerne mit dem deutschen Winter mithalten konnte, inzwischen setzt mir der portoalegrensische Sommer zu. Seit Mitte Dezember steigt das Thermometer kontunierlich und nicht selten klettern die Temperaturen auf 40 Grad. Ohne meine kleine Wasserflasche verlasse ich das Haus nicht mehr, um nicht zu dehydrieren.
Eigentlich kann man es nur im Pool aushalten.....
Besonders schwierig ist es bei der Arbeit: keine Klimaanlage, ein paar alterschwache Ventilatoren, unsere riesigen, heissen Projekt-T-Sihrts und die energiegeladenen Kinder, die die ganze Zeit von links nach rechts springen bilden eine fatale Mischung. Das grösste Problem ist aber, dass es auch nachts nicht abkühlt. Wer keine Klimaanlage hat (so wie ich) steht jeden Abend vor der Frage "Ventilator - aber wie?"
Ohne Ventilator ist an Schlaf gar nicht zu denken, aber auf höchster Stufe hält dich der Lärm die ganze nacht wach. Also auf kleinster Stufe, aber auch hier muss bedacht werden, den Luftzug weder direkt aufs Gesicht einzustellen (Erkältungsgefahr) noch so, dass die Haare wehen, noch so, dass man keinen Luftzug mehr spürt.
Dieses Dilemma endete darin, dass ich seit 2 Monaten nachts mehrmals aufstehe, um den Ventilator an-, aus- oder umzustellen.
Langsam neigt sich der Sommer aber dem Ende zu und ich freue mich schon auf den Tag, in dem es beim Frühstücksfernsehen um 7 Uhr morgens endlich nicht mehr heisst: "Porto Alegre, sonnig, 28 Grad"

Montag, 31. Januar 2011

Wieder zu Hause


1 Monat, 2 Länder, 6 Städte, 1000 unvergessliche Augenblicke!

Mein Monat Suitcasing in Südamerika war ein ganz besonderes Erlebnis, bei dem ich unglaublich viel erlebt und gesehen habe:
Von weissen Sandstränden bis zu schneebedeckten Anden,
von Schinkensandwiches bis zu Krokdilburgern,
von der Christusstatue bis zur Virgen de Cotoca;
von Piranhas bis Lamas,
von Bikini bis Apacaschals,
von Caipirinha bis Coca-Tee
und von der Copacabana (Atlantik) bis zur Copacabana (Titicacasee)

Im Flieger zurück in die Heimat war ich zwar ein bisschen traurig, dass das Abenteuer vorbei ist, aber zum Glück stecke ich ja noch mittendrin im Abenteuer "Brasilien".
Ein paar Tage hab ich noch Urlaub, aber dann versorgt euch dieser Blog wieder mit brandheissen Infos über mein Leben in Porto Alegre, mein Erfahrungen im Cesmar und meinen Alltag zwischen Caipirinha und Chimarrão!

6. Stopp - La Paz





Nach 3.5 Wochen infernalischr Hitze fiel mir an La Paz als erstes auf: das ist ganz schön kalt hier!! Bei der Planung meiner Reiseroute hatte ich die Höhe (3640 Meter!!!) doch ein wenig unterschätzt, was mir am Flughafen schlagartig klar wurde, als auf Grund der Höhenkrankheit beim Versuch, meinen Koffer auf den Gepäcktrolli zu heben, fast aus den Latschen kippte.
Zum Glück was ich nicht auf mich alleine gestellt: in la Paz besuchte ich Mauricio, ebenfalls Ex-Austauschschüler in Osnabrück, der mir fachmännisch zu Coca-Tee riet, das einzige Heilmittel gegen die Höhe. Eher widerwillig schlürfte ich das Gebräu, das ein bisschen nach zu lang gelagerten Rasen roch ( und schmeckte!) , aber Kopfschmerz, Schwindel und Übelkeit verschwanden dadurch tatsächlich. Das war auch sehr gut, denn für La Paz braucht man wirklich all seine Kräfte, dei Stadt ist einfach atemberaubend! Eingebetten in mitten der Anden wachsen die roten Backsteinhäuschen die Berge hinauf und das überall vorhandene Bergpanorama verwandelt selbst du Fahrt zum Supermarkt in in Erlebnis.
Nachdem Santa Cruz de la Sierra fast ein bisschen an Brasilien erinnerte, war das Leben in La Paz ein ganz anderes: Viel kälter, viel schroffer, viel andiner.
Auf dem Markt tummelten sich cholitas, Frauen in den typischen Gewändern, mit runden Hüten auf dem Kopf, die ihre Babys in bunten Tüchern auf dem Rücken trugen; Indianerinen mit langen geflochtenen Zöpfen und Goldzähnen verkauften Kaktusfeigen auf der Strasse oder lasen das Schicksal aus dem Satz des Cocatees; an kleinen Ständen, den alasitas, wurden Häuser, Autos, Studienzertifikate und alles, was man sich vorstellen kann, im Miniaturformat verkauft und angeblich bekommt man alles, was man sich hier kauft und vom Schamanen segnen lässt, auch im wahren Leben.







Um dem Trubel des Zentrums mit seinen Märkten, Basaren und Garküchen zu entfliehen, stiegen wir auf einnen der vielen Berge, die La Paz umgeben. "La muela del diablo", eines der Wahrzeichen der Stadt, bereitete uns einen nervenaufreibeneden Aufstieg, da das Taxi irgendwann nicht mehr weiterkam und wir zu Fuss laufen mussten. Da es weder Wege noch Geländer oder Seile gab, war das ein ziemlicher Adrenalinkick, aber die Aussicht lohnte sich: Auf der einen Seite La Paz on oben, auf der annderen die scheinbar endlosen Anden.
Dieser Ausflug war nur eins der vielen Highlights, die La Paz zu bieten hat: Die anderen waren "valle de la luna", ein Nationalpark, in dem es aussieht wie auf dem Mond und natürlich der Titicaca-See, 2.5 Stunden und 3 Euro von La Paz entfernt. Der höchste schiffbare See der Welt beeindruckte mich vorallem durch sein Panorama: das blaue Wasser umgeben von den schneebedeckten Gipfeln, die gelben Schilfboote der Fischer und die Lamas auf den sattgrünen Hügeln. Das einzige Problem waren die Temperaturen: es deprimierte ich doch etwas, im Sommerurlaub eine Winterjacke zu tragen! ;)
La Paz war aber der krönende Abschluss einer tollen Reise, die ich nie vergessen werde!!





5. Stopp - Santa Cruz de la Sierra


Nachdem wir 2,5 Wochen durch Brasilien gereist waren und von Strand über Grotten bis hin zu Urwald einges gesehen hatten, machte ich mich auf nach Bolivien, um noch etwas mehr als nur mein Gastland auf der grossen Reise zu erkunden.
Der erste Stopp in Bolivien war Santa Cruz de la Sierra, wo ich Laura besuchte, die letztes Jahr in Schüleraustausch in Osnabrück verbracht hat. Beim Abschied am Banhof lud sie sich zu mir nach Hause ein und da ich ja jetzt in einem Nachbarland war, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen!

Nachdem ich die erste Hürde, einen vom Reisebüro falsch gebuchten Flug, genommen hatte (was mich einiges an Zeit und Geld kostete), stand die zweite Hürde an: Spanisch sprechen!
Die Sprache, die nach meinem Austauschjahr in Costa Rica beinah zur zweiten Muttersprache geworden war, klang in meinen Ohren plötzlich wie japanisch und mir kam kaum ein flüssiger Satz über die Lippen, zu präsent ist das portugiesisch im Kopf.
Ich stammelte mir also bei der Begrüssung ziemliches Kauderwelsch zu recht, aber zum Glück sind Fremdsprachen scheinbar wie Fahrradfahren: ganz vergessen tut man es nie.
Innerhalb von 2 Tagen war alles wieder da, und ich konnte meinen Urlaub sprachbarriere-frei geniessen. Zusammen mit Laura erkundete Santa Cruz, die grösste Stadt Boliviens und die Umgebung, gekennzeichnet von grossen Gegensätzen: Im bontanischen Garten fühlte ich mich angesicht der Papageien, Affen, handtellergrossen Schmetterlinge und des undurchdringlichen Grüns wie im Regenwald, aber kaum 20 min später, im Schatten de Palmen auf dem Dorfplatz, auf dem ältere Herren mit Hüten Schach spielten, spürte ich die Ruhe einer verschlafenen lateinamerikanischen Kleinstadt. Wir besuchten die Pilgerkirche von Cotoca, in der die Gläubigen um Wunder bitten und die Monseñor, das In-Viertel Santa Cruz, in dem sich schicke Bars und Cafés aneinanderreihen. Angsichts der im Vergleich zu Brasilien spottbilligen Preise probierte ich mich ausserdem durch kulinarischen Spezialitäten der Region, wobei mich "Sonso", ein Auflauf aus Yucca und Käse, am meisten begeisterte und auch für eine kleine Shoppingtour blieb noch Zeit. Abends lernte ich das cruzeñische Nachtleben kennen oder wir erholten uns vom Sightseeing bei einem kühlem Bier am Swimmingpool in Lauras Garten: nachdem wir uns 6 Monate nicht gesehen hatten, gab es auch einiges zu erzählen!
Leider liessen mir meine kurzen Sommerferien nicht mehr Zeit in Santa Cruz und deshalb zog ich nach nur einer Woche schon weiter ins vorerst letzte Reiseziel.
Es geht aufwärts - nach La Paz!

Samstag, 22. Januar 2011

4. Stopp - Bonito


Nach Strand und Grossstadt war das letzte Ziel unserer Brasilienrundreise noch einmal etwas ganz anderes: Bonito, im Bundesstaat Mato Grosso im südlichen Pantanal ist Ökotourismus mit einer ordentlicher Prise Abenteuer!!
In dem kleinen Örtchen Bonito erwarteten uns Naturerfahrungen, die wir so noch nicht erlebt hatten: Am ersten Tag besuchten wir nichtsahnend ein "aquario natural", ohne zu wissen, was sich dahinter verbarg:
Eine Schnorcheltour in einem glasklaren Fluss, in dem sich tausende von Fische tummelten und man jedes faszinierende Detail des Unterwasserlebens beobachten konnte. Unser Guide zeigte und erklärte uns die verschiedenen, nur in diesem Lebensraum beheimateten Fische, unter anderem Piranhas. PIRANHAS??
Jede Menge sogar! Laut Brasilianern (die sich ja auskennen sollten) sind Piranhas für den Mensche völlig ungefährlich und ausserdem greifen sie so gut wie nie in klarem Wasser an. Naja..... ein bisschen mulmig war mir doch zumute, als wir zwischen den Schwärmen der Raubfische dahinglitten. Aber eine einmalige
Erfahrung war es!!
Der Adrenalinkick war allerdings nichts gegen das, was uns an der "gruta do lago azul" erwartete. Um den azurblauen See am Grund der 300 Meter tiegen Tropfsteinhöhle zu sehen, begaben wir uns auf eine abteneuerliche Klettertour die glitschigen Steine hinunter (Keine Treppe! Kein Geländer! Kein Licht!). Eher schlecht als recht schlitterten wir die Felsen hinab, aber das Abenteuer lohnte sich angesichts der bizarren Tropfsteine und des kristallklaren, fast schon irrwitzig blauen Sees, der uns unten erwartete.
Nach dem anstrengenden Aufstieg könnten wir uns eine typische Bonito-Spezialität: Krokodil-Burger! Auch etwas, was man nicht alle Tage auf dem Teller hat.
Auch am letzten Tag hörten die Abenteuer nicht auf: Nach dem Papageienfelsen stand eine weitere Schnorcheltour auf dem Plan, und diesmal waren die Piranhas das kleinere Problem: Sie teilen sich den Rio da Prata an dieser Stelle noch mit Krokodilen und Anakondas. Glücklicherweise blieben die aber brav von uns entfernt und so konnten wir den atemberaubenden Anblick der Fische geniessen, während wir im Fluss durch das Pantanal trieben und dem Konzertder Grillen, Vögel und Fröschen lauschten.
Der Stopp in Bonito war mit Sicherheit der aufregenste auf unserer Reise und der, in dem wir wilde, unberührte Natur hautnah erlebt haben.
An dieser Stelle trennen sich unsere Wege: mein Freund fliegt zurück nach Porto Alegre, während ich mich auf den Weg nach Bolivien mache!