Sonnenuntergang in Porto Alegre

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Donnerstag, 17. Februar 2011

36 Grad und es wird noch heisser...

Manchmal erscheint mit der Gedanke unglaublich, dass ich jetzt schon seit 6 Monaten in Porto Alegre lebe. Und doch: vieles hat sich geändert.
Weder die verwirrenden Buslinien noch das Portugiesisch stellen inzwischen mehr ein Problem dar, der Stadtplan verstaubt schon lange unbenutzt in Regal und wenn ich durch die Strassen im Zentrum laufe, fühle ich mich nicht mehr wie ein Tourist.
Eins hat sich aber ganz besonders geändert: das Wetter. Bei meiner Ankunft schockte mich die nicht erwartete Kälte, die gut und gerne mit dem deutschen Winter mithalten konnte, inzwischen setzt mir der portoalegrensische Sommer zu. Seit Mitte Dezember steigt das Thermometer kontunierlich und nicht selten klettern die Temperaturen auf 40 Grad. Ohne meine kleine Wasserflasche verlasse ich das Haus nicht mehr, um nicht zu dehydrieren.
Eigentlich kann man es nur im Pool aushalten.....
Besonders schwierig ist es bei der Arbeit: keine Klimaanlage, ein paar alterschwache Ventilatoren, unsere riesigen, heissen Projekt-T-Sihrts und die energiegeladenen Kinder, die die ganze Zeit von links nach rechts springen bilden eine fatale Mischung. Das grösste Problem ist aber, dass es auch nachts nicht abkühlt. Wer keine Klimaanlage hat (so wie ich) steht jeden Abend vor der Frage "Ventilator - aber wie?"
Ohne Ventilator ist an Schlaf gar nicht zu denken, aber auf höchster Stufe hält dich der Lärm die ganze nacht wach. Also auf kleinster Stufe, aber auch hier muss bedacht werden, den Luftzug weder direkt aufs Gesicht einzustellen (Erkältungsgefahr) noch so, dass die Haare wehen, noch so, dass man keinen Luftzug mehr spürt.
Dieses Dilemma endete darin, dass ich seit 2 Monaten nachts mehrmals aufstehe, um den Ventilator an-, aus- oder umzustellen.
Langsam neigt sich der Sommer aber dem Ende zu und ich freue mich schon auf den Tag, in dem es beim Frühstücksfernsehen um 7 Uhr morgens endlich nicht mehr heisst: "Porto Alegre, sonnig, 28 Grad"

Samstag, 25. Dezember 2010

30 Grad, Obst und ein Truthahn - Feliz Natal



FELIZ NATAL!!!!


Während in Deutschland alle über Schnee und Kälte stöhnen, hatte ich dieses Jahr bei meinem Weihnachtsfest ein ganz anderes Problem : Die beinah unerträgliche Hitze!!!
Das Thermometer zeigte über 30 Grad an und selbst nachts um 2 wehte kein Wind, der ein bisschen Abkühlung hätte bringen können.
Aber nicht nur das Wetter war hier in Brasilien etwas anders sondern das ganze Weihnachtsfest.


Am letzten Arbeitstag im Cesmar feierten wir eine Weihnachtsmesse, wie ich sie noch nie gesehen hatte: draussen auf der Wiese, mit Capoeirainstrumenten (Bongos, Rasseln, berimbao) statt Orgelmusik und eher eine fröhliche Party als "Stille Nacht". Am meisten verwunderte mich aber dann der Weihnachtsbonus, den alle Mitarbeiter des Cesmars bekamen. Im Speisesaal warte für alle Angestellten - ein tiefgefrorener Truthahn!! Im ersten Moment erschien mir das etwas seltsam, aber ein educador erklärte mir, dass der Truthahn für die meisten Mitarbeiter, die selber aus der Favela kommen, ein Weihnachtsessen ist, dass sie sich sonst nicht leisten könnten.

Am Heiligabend machten wir also meinen Truthahn, statt mit Rotkohl und Knödeln eingelegt in Ananassaft, serviert mit Reis und jeder Menge Früchten: Pfirsichen, Aprikosen, Melonen, Ananas und Mango. Beim Weihnachtsessen stellten wir 3 Ventilatoren auf, um nicht in der Hitze zu zerschmelzen, aber es half kaum etwas. Anschliessend gab es die grosse Bescherung unter dem Mini-Plastik-Weihnachtsbaum und dann sassen wir noch bis 2 auf der Veranda und schauten das Feuerwerk an.

Am 25. besuchten wir den Rest der Familie, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, assen uns durch Berge von Eis, Obst und Panetone und schauten uns abends das Weihnachtskonzert und den Sonnenuntergang am Lago Guíba, Porto Alegres Haus-See an.


Weihnachten in Brasilien war also ganz anders als in Deutschland: kein Schnee, kein echter Tannenbaum, kein Gänsebraten, keine Plätchen, keine Dominosteine, kein Adventskranz, kein "3 Nüsse für Aschenbrödel" im Fernsehen...
Aber da ich auch hier in Brasilien eine Familie habe, die sich um mich kümmert, mit viel Liebe kleine Geschenke aussucht und alles daran setzt, dass ich kein Heimweh bekomme, war es trotzdem ein toller Tag.
Vielleicht ein bisschen zu heiss.



Dies wird erstmal mein letzter Blogeintrag für ein paar Wochen auf, den in 3 Tagen mache ich mich auf zu meiner grossen Reise!
Frei nach dem Motto "Wer viel arbeitet muss auch viel entspannen" habe ich eine kleine Brasilienrundreise geplant und werde Rio de Janeiro, Vitória, Salvador, Bonito und anschliessend noch Bolivien besuchen.

Bis zu meiner Rückkehr schicke ich euch allen liebe Grüsse aus Brasilien, wünsche Frohe und gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Wahl in Brasilien

Wenn man derzeit in Brasilien ist, kommt man um ein Thema wohl nicht herum:
Die Präsidentschaftswahl.
Das Wahlsystem ist hier in Brasilien kompliziert und vielschichtig, deshalb habe ich nicht alle Details und Feinheiten verstanden habe (vielleicht liegt das aber auch daran, dass mein Portugiesischwortschatz im Bereich "politische Fachbegriffe" ziemlich grosse Lücken aufweist).
Trotzdem werde ich versuchen, die Dinge ein bisschen zu erklären, falls es aber zu grosse Konfusion stiftet, verweise ich darauf, "brasilianisches Wahlsystem" bei Google einzugeben.

Der grösste Unterschied ist in erster Linie, das man hier nicht die Partei, sondern einen Kandidaten wählt. Nicht nur für den Präsidenten, sondern auch für "senador", "goverador" und "deputado federal" (die Aufgaben dieser Ämter können ebenfalls bei Google gefunden werden).
Dementsprechend gestaltet sich auch der Walhkampf ganz anders als in Deutschland:
Hier in Brasilien gibt es eine elektronische Urne und man muss die Nummer des Kandidaten eingeben. Dafür muss man die Nummer natürlich wissen, und deshalb wurde die Bevökerung in den letzten Wochen in Wahlwerbung geradezu ertränkt. In der Stadt bekam man überall Zettel in die Hand gedrückt mit dem Gesicht eines Politikers, seinem Vornamen und seiner Nummer. Hier in Brasilien nennt man alle Politiker beim Vornamen, was für mich am Anfang irgendwie seltsam war, denn ein Gespräch über Politik klingt dann in etwa so:
"Ich werd den Mauricio wählen, denn dieser Ana kann man nicht vertrauen."
"Findest du? Die Ana arbeitet doch mit Flávio zusammen und den finde ich deutlich kompetenter als Mariana!"
Aber neben den Zettelchen nutzt die Politikpropaganda hier auch jedes andere Kommunikationsmedium: im Fernsehen gibt es einen speziellen "horario da propaganda politica" zu den Top-Sendezeiten (beim Mittagessen und zwischen Nachrichten und Novela), in dem eine Stunde lang ununterbrochen Wahlwerbung gezeigt wird.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien und Kandidaten sind dabei für mich als politisch nicht wirklich informierten Zuschauer kaum zu erkennen.
Die Schlagworte, die in jedem Werbespot fallen, sind "Educação" (Bildung), "Segurança" (Sichereit) und "Saúde", (Gesundheit), wobei bei keinem Kandidaten deutlich wurde, wie genau er diese Ziele erreichen will.
Jeder Kandidat hat aber eine eigene kleine Musik in seinem Werbespot, das den Namen und die Nummer beeinhaltet. Diese Jingles wurden als perfekte Ohrwürmer komponiert, und so könnte auch ich jetzt auf Anhieb mindestens 13 Kandidaten mit ihrer Nummer nennen.
Die Jingles werden städig im Radio oder von auf Motorrädern befestigten Ghettoblastern gespielt, die durch die Strassen fahren.
An so ziemlich jeder Mauer oder Hauswand klebt ein Wahlplakat oder wurde mit Farbe die Nummer und der Name eines Politikers geschrieben und in der Stadt schwenken Leute riesige Fahnen mit den Nummern - man kann dem Wahlkampf hier nicht entkommen!!!

Es gibt hier eine Wahlpflicht, das heisst, jeder, wirklich jeder Bürger muss wählen, was in einem Land wie Brasilien gar nicht so einfach ist: Eine unglaublich grosse Bevölkerung, verteilt über eine grosse Fläche, viele Analfabeten und politisch Ungebildete, abgeschiedene Indianerstämme im Amazonas, grosse Gebiete, die nicht mit Infrastuktur erschlossen sind...
Deshalb laufen im Fernsehen auch Aufklärungsspots, in den denen erklärt wird, wie man wählt:
Die Prozedur an der elektronischen Urne ("Geben Sie die Nummer des Kandidaten ein, den Sie wählen wollen, und bestätigen Sie mit de grünen Taste), die Wahlgrundsätze ("Ihre Wahl ist geheim und niemand wird nachvollziehen können, wen Sie gwählt haben") , was man mitbringen muss ("In diesem Jahr gibt es ein neues Gesetz: Um wählen zu können, müssen Sie neben dem Título de eleitor ein weiteres Dokument mit Foto mitbringen") oder überhaupt erstmal, welche Aufgaben eigentlich die Personen haben werden, die die einzelnen Ämter bekleiden.
Wenn man hier nicht wählen geht, muss meine eine Geldstrafe zahlen und wenn man über mehrere Wahlgänge das Votum verweigert, wird man von allen öffentlichen Dienstleistungen ausgschlossen und kann z.B. seinen Führerschein nicht verlängern lassen oder das Gesundeitssystem nutzen.

Obwohl es unzählige Parteien gibt, waren nur drei Kandidaten wirklich wichtig für die Präsidentschaftswahl:
Dilma, von der PT (Arbeiterpartei), von der auch der momentane Präsidenten Lula ist;
Serra, von der PSDB (Sozialdemokratische Partei Brasiliens) und
Marina, von der Partido Verde (Grüne Partei).

Im ersten Wahlgang letzte Woche ereichte keiner dieser Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen, weshalb es einen "segundo turno", eine Stichwahl zwischen Dilma und Serra gibt, die am meisten Stimmen erreicht haben.
Ich verstehe nicht genug von diesem Land, seinen Problemen und seiner Politik, um über die beiden Kandidaten und ihre Ideen urteilen zu können, aber aus Gesprächen mit meiner Gastfamilie, Freunden und Kollegen habe ich heraushören können, das beide Kandidaten relativ umstritten sind.

Ich habe hier die Wahlwerbespots einiger Kandidaten eingefügt, damit ihr euch ein Bild vom Wahlkampf machen könnt. Die Parteien habe ich dabei völlig zufällig gewählt und sie spiegeln nicht meine politische Überzeugung wieder.
Ausserdem findet ihr den Regierungs-"Aufklärungsspot", der erklärt, was der Präsident eigentlich so macht.





Freitag, 10. September 2010

Formatura



Ich habe das grosse Glück, dass mein Gastbruder Felipe gerade mit der Uni fertig ist und ich deshalb letzte Woche mit zu seiner "Formatura" kommen durfte.
Bei der Formatura handelt es sich um die offizielle Entlassung der Studenten, eine grosse Zeremonie mit anschliessender Feier.
Zum Glück hatte meine Gastfamilie mich schon per E-Mail eingeladen, als ich noch in Deutschland war. Ich war mir nicht recht sicher, was man bei so einem Anlass azieht und hatte vorsichtshalber mein Abiballkleid eingepackt - für alle Fälle.
Eine sehr weise Entscheidung!
Die Formatura ist ein grosses Ereignis hier in Brasilien und deshalb macht man sich für diesen besonderen Anlass richtig schick.
Also musste ich mir noch schnell passende Schuhe und eine Abendtasche besorgen, bevor es losgehen konnte!
Die ganze Familie kam zur Feier des Tages angereist und so verbrachten wir den Tag mit Essen, Feiern und Unterhalten.
Eine Stunde, bevor es abends losging, bot sich dann im Haus ein Szenario, dass wohl überall zwischen Norwegen und Neuseeland gleich abläuft:
Wir Frauen, also meine Gastmutter, -tante, -cousine und ich, wuselten aufgeregt durchs Haus, vom Bad zum Schrank und wieder zurück und probierten Ohrringe aus, steckten Haare hoch, um sie dann doch wieder aufzumachen, tauschten Wimperntusche und lackierten uns die Nägel, während die Männer (mein Gastvater, - bruder, -onkel, und -cousin) längst umgezogen auf dem Sofa sassen, Fussball schauten und in regelmässigen Abständen besorgt auf die Uhr guckten - manche Dinge sind wohl überall auf der Welt gleich!
Nachdem auch wie Frauen endlich fertig waren und wir alle in die Autos verstaut hatten (kein so leichtes Unterfangen, wenn deutlich mhr Personen als Plätze da sind) ging es los in die Art "Sadthalle", in der die Formatura stattfand.
Dort bot sich mir dann ein unglaubliches Spektakel, mit Lasershow und Musikeffekten, mit langen Reden, Hymnen und Eidesbekundungen und natürlich dem traditionellen "Hut-in-die-Luft-werfen".
Eine Zeremonie wie diese hatte ich in Deutschland noch nie erlebt und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Ein wunderschöner Abend und ich habe wirklich riesiges Glück, dass ich dabei sein durfte!

Samstag, 21. August 2010

Brasilianisches Essen - Heimweh nach Käsebrot!


Ich will diesen Blog nutzen, damit ihr in Deutschland nicht nur meine Erfahrungen und Erlebnisse mitverfolgen könnt, sondern auch um euch etwas über das Leben und die Mentalität am "anderen Ende der Welt" zu erzählen.
Wenn ich jetzt versuche, zur erklären, wie das brasiliaische Leben so ist, komme ich um ein Thema nicht herum: das Essen.

Vorab kann man sagen - die Brasilianer essen viel, fettig und am liebsten die ganze Zeit.
Der kulinarische Tag beginnt mit dem "cafe de amanhã", dem Frühstück. Meistens git es da Toastbrot mit fast schon unnatürlich süssen Aufstrichen: "doce de leite", eingekochte, karamellisierte Kondensmilch mit geschätzten 1000 Kalorien pro Löffel; süsse Marmelade, hier im Süden "schmier" genannt oder Honig, der doppelt so süss ist, wie in Deutschland.
Es gibt auch Schinken oder Käse, aber beides hat wenig mit dem zu tun, was wir in Deutschland darunter kennen und schmeckt etwas fad.

Kaum hat der Magen es geschafft, den Zuckerschock des Frühstücks zu verdauen, steht auch schon das Mittagessen an. Hauptbestandteil einer jeden Mahlzeit sind Reis, Bohnen und jede Menge Fleisch. Meistens ist das Rindfleisch, das man in Deutschland nur in den besten Gourmet-Restaurants finden würde, aber sich dann leider nicht leisten könnte. Hier sind rosagebratenen, butterzarte Rumpsteaks, für deren feinen Geschmack jede Sosse eine Beleidigung wäre, in jeder Imbissbude mit Plastikstühlen selbstverständlich. Neben Reis und Bohnen findet sich meistens noch etwas Salat auf dem Teller, häufig jedoch ohne Sosse. Falls es eine andere Beilage geben sollte, etwa Kartoffeln oder Nudeln, wird der Reis trotzdem gegessen, denn eine Mahlzeit ohne Reis ist kein Essen hier.
Die Portionen sind meistens so gross, dass locker 3 Personen davon satt werden könnten, aber natürlich gibt es noch einen Nachtisch. Auch hier gilt die Devise des Frühstücks - je süsser, desto besser. Die Puddings und Kuchen, die auf den Tisch kommen, erfüllen zum Grossteil den Kalorienbedarf eines ganzen Tages. (Um einen kleinen Zucker-Richtwert zu geben: Das Marzipan, dass ich meiner Gastfamilie mitgebracht habe, schmeckte für sie "so bitter wie Kaffee").

Der durchschnittliche Brasilianer hat nach diesem Mittagessen inklusive Nachtisch um spätestens 17.00 Uhr wieder Hunger. Deshalb kommt der "lunch de la tarde" auf den Tisch, der jeden Tag ganz unterschiedlich aussieht: Sandwiches; Kuchen; Pudding; Hamburger; frittierte Teigtaschen mit Käsefüllung; Würstchen im Teigmantel; süsse, frittierte Teigbällchen und und und.... Zusammenfassend kann man sagen, es handelt sich beim lunch um eine sehr süsse oder frittierte Speise.

Spätestens nach dem lunch steht ein europäischer Magen vor dem Ende seiner Möglichkeiten und shnt sich nur noch nach einem Schnaps und einem Verdauungsspaziergang. Aber der brasilianische kulinarische Tag ist noch nicht vorbei: Es feht noch das Abendessen um ca. 21 Uhr - Reis, Fleisch, Bohnen, Fleisch, Salat, Fleisch und dazu noch etws Fleisch. Besonders beliebt ist daei "churraso", das brasilianische Grillen, das in etwa so aussieht, das Unmengen von Fleisch am Spiess gegrillt wird. Natürlich gehört zu einem ordentlichen Abendessen auch wieder ein Nachtisch.

Wer denkt, dass jetzt aber wirklich Schluss ist mit dem Essen, der liegt falsch: Beim Fernsehen wird selbstverständlich noch eine Tafel Schokolade oder ähnliches geschlachtet - man will ja schliesslich nicht hungrig ins Bett gehen.

Das Essen ist sehr lecker, aber eine echte Bedrohung für die Figur!! Und manchmal, manchmal, würde ich mein perfektes Rumpsteak auch gerne für ein echtes, deutsches Käsebrot eintauschen...

Donnerstag, 19. August 2010

Meine Gastfamilie

Seit Dienstag abend bin ich "richtig" in Brasilien angekommen, da ich endlich zu meiner Gastfamilie gezogen bin.
Die Gastfamilien, in denen wir Freiwilligen untergebracht sind, sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen in Brasilien: vom alleinstehenden Geschäftsmann im durchgestylten Loft mit Blick über die Stadt über ein bescheidenes Haus am Rand der Favela bis hin zu einer Villa mit Pool.
Meine Gastfamilie entspicht im ersten Eindruck so ziemlich dem Klischee-Bilderbuch-Bild einer lateinamerikanischen Familie:
Ein kleines, in einer Bonbonfarbe gestrichenes Haus, umgeben von einem hohen Zaun, mit dem Hund im Vorgarten und einer Fahne des favorisierten Fussball-Clubs im Fenster.
Direkt im Eingangsbereich steht der Fernseher und das quietschbunte Sofa, von da aus gelangt man in den Flur, von dem die Zimmer abgehen. Meine beiden Gastbrüder Felipe (22) und Mauricio (18) sind in ein Zimer gezogen, um Platz für mich zu schaffen.
In der Küche steht ein grosser Tisch, an dem wir zusammen essen, während auf einem Mini-Fernseher Telenovelas im Hintergrund laufen. Die Heilige Jungfrau Mutter Maria wacht als überdimensionales Bild von der Wand über die Szene.
Von 9 Uhr abends bis 10 Uhr abends wird warm gegessen, also ziemlich spät für meine Verhältnisse, und dabei läuft die wichtigste Novela des Tages.
Das Haus riecht für mic sehr nach "Costa Rica": Eine Mischung aus Waschpulver (man wäscht hier ständig, und zwar auf der Terrasse) , kochenden Bohnen (für den nächsten Tag) , Chlor (vom Leitungswasser) und gebratenem Fleisch.
Meine Familie ist sehr, sehr nett und hilft mir mit allen Fragen und Problemen weiter Sie freuen sich anscheinend wirklich sehr, dass ich hier bin, stelen viele Fragen und zigen mir viel.
Meine Gastmutter hat deutsche Vorfahren und spricht deshalb ein bisschen deutsch, lustigerweise mit süddeutschem Akzent, und so bekomme ich in Brasilien die Dusche mit den Worten: "Do host warmes Wosser, gell" erklärt.
Die Kommunikation ist momentan eine wilde Mischung aus deutsch, englisch, portugiesisch, spanisch, Händen und Füssen. Überraschenderweise klappt das richtig gut und mein eher unkoordiniertes "Ich bring mir Portugieisisch selber bei" hat erstaunlich viel gebracht: Ich versehe ca. 80 Prozent von allem, sogar im Fernsehen, und kann mich mit etwas Mühe verständlich machen.
Aber ich wohne ja erst seit 2 Tagen hier in der Familie Piovezan, deshalb muss ich mich noch ein bisschen eingewöhnen, bevor ich wirklich berichte kann!